Magnesiumstearat: Was du darüber wissen solltest

5. November 2020 Lesezeit: 8 Minuten von Niels

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Magnesiumstearat: Was du darüber wissen solltest
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Einer der Vorteile des Essens unserer Vorfahren bestand darin, dass sie potenziell schädliche Lebensmittelzusatzstoffe wie künstliche Farbstoffe, Mononatriumglutamat (MSG) und künstliche Süßstoffe vermieden haben. Magnesiumstearat wird häufig zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln verwendet. Ist das Magnesiumstearat ein harmloser Zusatzstoff oder eine gefährliche Chemikalie? Lies diesen Artikel, um es herauszufinden. 

Seiteninhalt:

  • Was ist Magnesiumstearat?
  • Verwendung und Funktion
  • Was sind die vermuteten Nebenwirkungen und Gefahren, und sind sie ein Grund zur Besorgnis?
  • Ist Magnesiumstearat also ungefährlich oder schädlich für dich?

Doch selbst bei einer Paleo-Diät kann es schwierig sein, auf einige Füllstoffe, Verdickungsmittel und Zusatzstoffe zu verzichten. Tatsächlich enthalten viele übliche Paläo-Lebensmittel mehr Zusatzstoffe als ihre neolithischen Pendants. Beispielsweise enthalten handelsübliche Nussmilch und Kokosmilch oft Verdickungsmittel wie Gummi oder Carrageen, während die Vollmilch aus deinem üblichen Lebensmittelgeschäft keine Zusatzstoffe enthält.

Ist das Magnesiumstearat ein harmloser Zusatzstoff oder eine gefährliche Chemikalie? Lies diesen Artikel, um es herauszufinden. 

Was ist Magnesiumstearat?

Magnesiumstearat ist ein Salz, das entsteht, wenn sich ein Magnesium-Ion mit zwei Stearat-Molekülen verbindet. Stearat ist nur die anionische Form der Stearinsäure. Stearinsäure ist ein langkettiges gesättigtes Fett, das in Rindfleisch, Kakaobutter, Kokosnussöl und anderen natürlichen Nahrungsmitteln reichlich vorhanden ist. 

Verwendung und Funktion

Magnesiumstearat wird am häufigsten bei der Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln als “Fließmittel” verwendet, das dazu beiträgt, dass die Herstellung reibungslos funktioniert und die Inhaltsstoffe im richtigen Verhältnis miteinander vermischt bleiben. Man findet es außerdem auch in einigen Kosmetikprodukten.

Angesichts der scheinbar harmlosen Bestandteile dieses Zusatzstoffes ist es ein wenig überraschend, wie umstritten es ist. Im Internet kursieren eine Menge Missverständnisse und ungenaue Aussagen darüber, weshalb wir mit diesem Beitrag Licht ins Dunkel bringen wollen.

Was sind die vermuteten Nebenwirkungen und Gefahren, und sind sie ein Grund zur Besorgnis?

1. Wirkung auf Immunzellen

Eine Studie, die viele Menschen als Beweis gegen Magnesiumstearat verwendet haben, ist ein Experiment von 1990 mit dem Titel “Molekulare Basis für die immunsuppressive Wirkung von Stearinsäure auf T-Zellen“. 

In dem Experiment isolierten die Wissenschaftler T-Zellen und B-Zellen von Mäusen, legten sie in eine Petrischale und badeten sie in einer Lösung, die Stearinsäure (zusammen mit einigen anderen Komponenten) enthielt. Sie beobachteten, dass die T-Zellen die Stearinsäure in ihre Zellmembran einbauten und die Membran schließlich so weit destabilisierten, dass die Zelle abstarb.

Zunächst einmal hat diese Studie nichts mit Magnesiumstearat zu tun. Sie haben nur die einfache alte Stearinsäure verwendet, die man in deinem Rindfleisch, deiner Schokolade oder deinem Kokosnussöl findet, sodass diese Studie genauso gut gegen diese Lebensmittel verwendet werden könnte. Wenn du über diese Studie besorgt bist (was du nicht sein solltest), hast du viel größere Quellen von Stearinsäure, über die du dir Sorgen machen müsstest als über das Magnesiumstearat in deinen Nahrungsergänzungsmitteln.

Zweitens hat die Studie nichts mit der Nahrung aufgenommenen Stearinsäure zu tun. Unter normalen Bedingungen werden deine T-Zellen nicht in Stearinsäure getränkt, selbst wenn du übermenschliche Mengen an Kokosnussöl, Talg und Kakaobutter zu dir nimmst.

Zu guter Letzt verwendeten die Forscher T-Zellen von Mäusen. In diesem Fall kann man die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragen. Die Mauszellen schlossen Stearinsäure in ihre Membranen ein, weil ihnen die Fähigkeit fehlte, Fettsäuren zu entsättigen. Menschliche T-Zellen haben jedoch die Fähigkeit, Fettsäuren zu entsättigen. Selbst wenn du also deine T-Zellen in Stearinsäure baden würdest, wären sie in der Lage, ihre Membranfunktionen aufrechtzuerhalten. (1)

 

2. Bedenken gegenüber Pestiziden und gentechnisch veränderten Organismen (GMOs)

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Stearat, da es oft aus Baumwollsaat-Öl gewonnen wird, mit Pestiziden verunreinigt sein kann. Denke daran, dass Magnesiumstearat eine hoch gereinigte Substanz ist und einen intensiven Raffinationsprozess durchläuft, bevor es in deinen Ergänzungsmitteln enthalten ist. Daher ist es relativ unwahrscheinlich, dass Magnesiumstearat erhebliche Mengen an Pestizidrückständen enthält.

Was die Sorge betrifft, dass Baumwollsaatöl oft genetisch verändert ist, so sollte die Quelle des Rohfetts keinen Unterschied in der endgültigen Form des Stearats machen. Stearinsäure ist ein 18-Kohlenstoff-Molekül mit einer spezifischen chemischen Struktur, die unabhängig davon, ob die Stearinsäure von einer genetisch veränderten Baumwollpflanze, einer Tafel Hershey’s-Schokolade oder einem grasgefütterten Rib-Eye-Steak stammt, gleich ist.

3. Wirkung auf Nährstoff- und Medikamentenaufnahme

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Magnesiumstearat die Nährstoffaufnahme hemmen könnte. Eine 2007 durchgeführte In-vitro-Studie ergab, dass Tabletten mit Magnesiumstearat sich langsamer auflösen als Tabletten ohne Magnesiumstearat, wenn man sie in künstlichen Magensaft gibt. (2) Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass in-vivo-Studien erforderlich sind, um festzustellen, ob dieser Befund von praktischer Bedeutung ist. In einer früheren Studie stellte man jedoch fest, dass Magnesiumstearat, obwohl es die Zeit bis zur Auflösung eines Medikaments verlängerte, keinen Einfluss auf die allgemeine Bioverfügbarkeit hatte, wie die Blutwerte der Testpersonen belegen, die das Medikament verabreicht bekamen. (3) Darüber hinaus ergab eine andere Studie, dass der Gehalt an Magnesiumstearat die Auflösung von Tabletten überhaupt nicht beeinflusst. (4)

All diese Informationen deuten darauf hin, dass Magnesiumstearat zwar unter bestimmten Umständen die Geschwindigkeit der Auflösung der Tabletten beeinflussen könnte, aber nicht die gesamte Bioverfügbarkeit des Medikaments oder des Ergänzungsmittels beeinflusst.

4. Biofilme

Magnesiumstearat

Ich habe diese Behauptung an einigen wenigen Stellen im Internet auftauchen sehen, daher werde ich kurz darauf eingehen. Einige Kritiker von Magnesiumstearat behaupten, dass es die Bildung von schädlichen Biofilmen im Darm induzieren kann. (Biofilme sind unbewegliche Gemeinschaften von Bakterien, die sich bilden, wenn Bakterien an einer Oberfläche anhaften und eine Polysaccharid Matrix erzeugen). Diese Behauptung scheint auf der Tatsache zu beruhen, dass Seifenschaum Magnesium und Kalzium-Stearat enthält, sodass sie darauf bestehen, dass genauso wie Seifenschaum einen Film auf deinem Waschbecken oder deiner Dusche bildet, Magnesiumstearat einen Film auf deiner Darmoberfläche bildet.

Es sollte ziemlich offensichtlich sein, dass das Darm-Lumen eine ganz andere Umgebung ist als eine Duschtür. Dennoch scheinen einige Personen besorgt zu sein. Man kann sich darüber im Klaren sein, dass es keinen denkbaren Grund gibt, warum dies passieren sollte.  Außerdem habe ich keinen einzigen wissenschaftlichen Artikel gesehen, der diese Möglichkeit auch nur andeutet.

5. Magnesiumstearat in Kosmetika

Magnesiumstearat wird in der Kosmetikindustrie mehrfach verwendet: Es ist ein Antiklumpmittel, ein Füllstoff, ein Farbstoff und vieles mehr. In der Skin Deep Cosmetics Database der Environmental Working Group wird Magnesiumstearat als “low hazard” (geringe Gefahr) gekennzeichnet, obwohl festgestellt wurde, dass nur begrenzte Daten über diesen Inhaltsstoff verfügbar sind.

Ist Magnesiumstearat also ungefährlich oder schädlich für dich?

Abschließend sei bemerkt, dass eine Studie mit Ratten ergab, dass man 2.500 mg Magnesiumstearat pro Kilogramm Körpergewicht und Tag einnehmen müsste, um toxische Wirkungen zu erkennen. (5) Das bedeutet, dass eine 80 kg schwere Person 200.000 mg pro Tag zu sich nehmen müsste, was so weit über jede Menge hinausgeht, die man in Nahrungsergänzungsmitteln findet, dass es keine Rolle spielt.

Insgesamt hat man keine wissenschaftlichen Beweise gefunden, um die Behauptungen gegen Magnesiumstearat zu belegen. Die geringen Mengen, die man in Nahrungsergänzungsmitteln gefunden hat, dürften für die Mehrheit der Bevölkerung kein Problem darstellen.

 

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Über Niels

Hey, ich bin Niels und Founder von Cloud Minded.

In den letzten 10 Jahren habe ich mich intensiv mit Ernährung, Fitness, Biohacking und Nahrungsergänzungsmitteln beschäftigt um meine Leistungsfähigkeit auf allen Ebenen zu verbessern. Auf Cloud Minded schreibe ich nun regelmäßig über diese Themen um meine Erkenntnisse mit euch zu teilen.

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Peace, Niels.

 
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