Was ist die Amygdala und was sind ihre Funktionen?

4. Dezember 2020 Lesezeit: 4 Minuten von Niels

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Was ist die Amygdala?

Die Amygdala ist eine Ansammlung von Kerngebieten, die sich tief im Temporallappen befinden. Der Begriff amygdala stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „Mandel“, weil einer der prominentesten Kerne der Amygdala eine mandelartige Form hat. Obwohl wir davon oft im Singularform sprechen, gibt es tatsächlich zwei amygdalae—eine in jeder Gehirnhälfte.

 

Was sind ihre Aufgaben und Funktionen?

Die Amygdala wird dem lymbischen System zugeteilt, und soll eine wichtige Rolle bei Emotionen und Verhalten spielen. Sie ist vor allem für ihre Rolle bei der Verarbeitung von Angst bekannt, obwohl dies, wie wir sehen werden, eine stark vereinfachte Darstellung der Aufgaben und Funktionen ist. 

Unser modernes Verständnis über ihre Funktionen lässt sich bis in die 1930er Jahre zurückverfolgen, als Heinrich Kluver und Paul Bucy die Amygdala bei Rhesusaffen entfernten und drastische Auswirkungen auf deren Verhalten beobachteten. Unter anderem wurden die Affen fügsamer und schienen weniger Angst zu zeigen.

Amygdala

Die Verhaltenskonstellation, die durch die Entfernung der Amygdala hervorkam, wurde das Kluver-Bucy-Syndrom genannt, und führte erst dazu, dass die Amygdala auf ihre Bedeutung bei der Angst untersucht wurde. Seitdem ist sie vor allem für ihre Rolle bei der Verarbeitung von Angst bekannt geworden. Wenn wir einem Angstreiz ausgesetzt sind, werden Informationen über diesen Reiz sofort der Amygdala mitgeteilt. Diese sendet dann wiederum Signale an andere Gehirnareale wie den Hypothalamus senden, um eine „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ auszulösen. Eine solche „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ kann sich durch eine erhöhte Herzfrequenz und Atmung zeigen.

 

Die Amygdala korreliert mit unserem Angstzentrum

Interessanterweise legt die Forschung nahe, dass Informationen über potenziell gefährliche Dinge in der Umwelt die Amygdala auch dann erreichen können, bevor uns die Gefahr überhaupt erst bewusst wird. Es gibt eine Nervenbahn, die vom Thalamus zur Amygdala führt. Sensorische Informationen über Angstreize können auf diesem Weg zur Amygdala gelangen, bevor sie die Großhirnrinde bewusst verarbeitet. So kann eine Angstreaktion ausgelöst werden, bevor wir überhaupt die Zeit haben darüber nachzudenken, was genauso gefährlich ist.

Diese Art von Reflex kann nützlich sein, wenn wir wirklich in großer Gefahr sind. Wenn du zum Beispiel durchs Gras läufst und eine Schlange auf dich zukommt, möchtest du nicht so viel Zeit damit verbringen, die Gefahr kognitiv einzuschätzen. Stattdessen möchtest du, dass dein Körper sofortige Angst erfährt und rückwärts springt, ohne dass du diese Handlung bewusst einleiten musst. Die direkte Bahn vom Thalamus zur Amygdala könnte eine Möglichkeit sein, um diese Art von Reaktion auszulösen.

Neben ihrer Beteiligung an der Auslösung von Angstreaktionen scheint die Amygdala auch sehr wichtig für die Bildung von Erinnerungen zu sein, die mit angstauslösenden Ereignissen verbunden sind. Wenn du zum Beispiel Mäuse mit intakten Amygdalas nimmst und einen Ton abspielst, kurz bevor du ihnen einen unangenehmen Fußschock verpasst, setzen sie den Ton sehr schnell mit dem unangenehmen Schock in Verbindung.

So werden sie eine Angstreaktion (z.B. Erstarrung) zeigen, sobald der Ton abgespielt wird, auch bevor irgendein Schock ausgelöst wird. Versucht man dieses Experiment jedoch an Mäusen mit Läsionen an den Amygdalae, so zeigen sie eine beeinträchtigte Fähigkeit, sich an den Ton “zu erinnern”. Du könntest den Ton abspielen und sie reagieren nicht anders, als ob sie keine schlechten Erinnerungen in Verbindung mit dem Ton hätten.

 

Stressreaktionen und die Rolle der Amygdala

Es sollte nicht allzu überraschend sein (angesichts ihrer Rolle bei der Verarbeitung von Angst), dass die Amygdala auch beim Stress eine Rolle spielen könnte. Während man Angst als Reaktion auf eine vorhandene Gefahr betrachtet, ist Stress die Unruhe, die das Nachdenken über eine potenzielle Gefahr begleitet. Dazu gehört zum Beispiel eine Bedrohung, vor der man vielleicht auch immer Angst haben wird.

Eine Reihe von Studien deutet darauf hin, dass die Amygdala am Stress beteiligt ist und dass sie bei Menschen mit Angststörungen überaktiv sein kann. Allerdings, wie bei vielen menschlichen Verhaltensweisen der Fall ist, sind bei Stress wahrscheinlich ein ganzes Netzwerk von Gehirnarealen involviert, sodass Aktivität in der Amygdala alleine uns nicht all Zuviel über diese Emotion verrät.

Amygdala

Obwohl die Amygdala für ihre Rolle bei der Angstreaktion bekannt ist, gibt es inzwischen zahlreiche Hinweise darauf, dass ihr Beitrag zum Verhalten viel komplexer ist. Zum Beispiel scheint die Amygdala an der Bildung positiver Erinnerungen beteiligt zu sein, wie z.B. das Erhalten einer Belohnung bei einem Experiment. Eine Schädigung der Amygdala kann zusätzlich die Fähigkeit zur Bildung dieser positiven Erinnerungen beeinträchtigen, genauso wie es sich bei der Bildung von negativen Erinnerungen beim Fußschock-Experiment verhalten hat.

Welche Erkenntnisse kann man aus den Studien gewinnen?

Wegen solcher Studien fühlten sich Forscher dazu berufen, die Rolle der Amygdala über die eines bloßen Bedrohungsdetektors/Angstauslösers hinaus zu erweitern. Eine beliebte Denkweise legt nahe, dass die Amygdala an der Bewertung von Dingen in der Umwelt beteiligt ist, um ihre Bedeutung einzuschätzen – ob positiv oder negativ – und emotionale Reaktionen auf jene Stimuli zu erzeugen, die sie für wichtig empfindet.

Sie kann auch an der Festigung von Erinnerungen beteiligt sein, die eine starke emotionale Komponente haben, unabhängig davon, ob die Emotionen angenehm oder unangenehm sind. Unser Verständnis über die Funktion der Amygdala entwickelt sich also noch, und wir müssen wahrscheinlich noch viel mehr dazulernen, bevor wir die Aktivitäten dieser komplexen Struktur vollständig erfassen können.

Quellen

(zusätzlich zu den im Text verlinkten Quellen):

    LeDoux J. The amygdala. Curr Biol. 2007 Oct 23;17(20):R868-74.

 

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Über Niels

Hey, ich bin Niels und Founder von Cloud Minded.

In den letzten 10 Jahren habe ich mich intensiv mit Ernährung, Fitness, Biohacking und Nahrungsergänzungsmitteln beschäftigt um meine Leistungsfähigkeit auf allen Ebenen zu verbessern. Auf Cloud Minded schreibe ich nun regelmäßig über diese Themen um meine Erkenntnisse mit euch zu teilen.

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